Sommerbrief 2011

Unna, den 19.08.2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Frauenforums,

seit unserem letzten Sommerbrief ist nunmehr ein ganzes Jahr mit vielen Ereignissen, Erfolgen, Plänen und Ergebnissen vorüber gegangen – Zeit für einen neuen Brief an Sie als unsere Arbeit Begleitende und Unterstützende. Vielleicht schauen Sie ab und zu auf unsere Internetseite www.frauenforum-unna.de? Hier können Sie sich regelmäßig auf dem Laufenden halten, unsere Pressearbeit zu verschiedenen Schwerpunktthemen sowie Erfolgen unserer Aktivitäten nachlesen und sich zeitnah über den positiven Verlauf unseres aktuellen Spendenprojekts informieren. Der eine oder die andere unter Ihnen findet sich sicher unter den aufgeführten Spendern und Spenderinnen wieder. Sie sind beteiligt an der Umsetzung unseres Vorhabens, Kindern und Jugendlichen Räume für Kreativität und Bewegung im Haus einzurichten - ganz herzlichen Dank, bald ist es geschafft, unter Einbezug von gemachten Zusagen fehlen nur noch etwa 1.800 € im Spendentopf.   

Unser zweites Jahr unter dem gemeinsamen Dach aller Einrichtungen war gefüllt mit vielen auch neuen Aufgaben, neuen Ideen und mancher Hoffnung – z. B. auf einen genehmigten Landeshaushalt mit endlich höheren Landesförderungen für unsere Arbeit in der Frauen- und Mädchenberatungsstelle und im Frauenhaus. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Leider finden wir keine Zeit für das Schreiben eines Jahresberichts 2010 - stattdessen wollen wir im kommenden Jahr wieder einen „Doppel-Jahresbericht“ für die Jahre 2010/2011 veröffentlichen. Hier jetzt ein kleiner Bericht über das Wichtigste des uns Beschäftigenden.

Unsere Beratung, Begleitung, den Schutz, die Sicherheit und Hilfen in einem wohnlichen und Vertrauen aufbauenden Umfeld nutzten in 2010 wieder insgesamt 337 Frauen und ihre 72 Kinder. Die Frauen fühlen sich gut aufgehoben im Netzwerk unserer Hand in Hand arbeitenden Einrichtungen. Klientinnen der Frauen- und Mädchenberatungsstelle finden in akuten Fällen häuslicher Gewalt besser den Weg in das Frauenhaus, umgekehrt kann manche Frau für die Zeit nach dem Auszug die weitere Sicherheit von Gesprächen mit einer unserer Beraterinnen vorbereiten. Vormals wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen, aber auch von häuslicher Gewalt betroffene Frauen, benötigen in einigen Fällen für sich und ihre Familie, wegen besonderer sozialer Schwierigkeiten, die weitere Begleitung durch Fachkräfte der Sozialarbeit. Teilstationär über die FrauenRäume oder ambulant über das Betreute Wohnen finden sie ganz nah sie begleitende Ansprechpartnerinnen für einen nahtlosen Übergang in eine positivere Zukunftsperspektive. Seit kurzem ist jeder der sechs Ambulant Betreuten Wohnplätze genutzt - es gibt für unsere Sozialarbeiterin gemeinsam mit den Frauen viel zu regeln und zu organisieren, zu lehren und zu lernen, um nach 1-2 Jahren der Begleitung guten (Ge-)Wissens auf eigenen Beinen stehen (lassen) zu können.    

Seit etwa zwei Jahren hilft uns zur Verbesserung der Abläufe in unserem internen Angebotsnetzwerk unsere intensive Arbeit zum Qualitätsmanagement. Regelmäßig treffen sich Mitarbeiterinnen in einem Qualitäts-Arbeitskreis und legen nach intensiven Diskussionen auch unter den Teams aller Einrichtungen Handlungsprozesse fest. Diese nützen unseren Frauen für das Ankommen bei uns, für optimale Übergänge von Angebot zu Angebot, aber auch für ihre Rückkehr nach draußen in ein möglichst selbst bestimmtes und gewaltfreies Leben. Wer sich vorstellen kann, wie es sich anfühlen muss, mit Kindern an der Hand bei Nacht und Nebel mit nichts mehr als dem was frau gerade zufällig dabei hatte, bei uns Schutz zu suchen, der kann die Wichtigkeit eines Aufnahmeablaufs von der Versorgung mit allem Alltagsnotwendigen bis zum emotionalen Trösten, Beruhigen und schon ein wenig Aufbauen von Frauen und auch Kindern ermessen.   

Kinder erleben bedrohliche und Angst machende Situationen ihrer Mütter häufig mit, sind oft auch direkt selbst betroffen. Bei uns finden sie Erzieherinnen, die sie im kindgerecht ausgestatteten Spielbereich betreuen, die für Entspannung sorgen, beim Verarbeiten mancher erlebter Situation helfen und positive Entwicklungen begleiten und unterstützen. Eine Erzieherin mit der Zusatzqualifikation zur Kinderschutzfachkraft kann von allen Mitarbeiterinnen zur eigenen Beratung in Kinderschutzfragen hinzugezogen werden. Sie ist eingebunden in einen kreisweiten Arbeitskreis von Kinderschutzfachkräften anderer Einrichtungen sowie des Jugendamts.

Die bereits angesprochenen Räume für Kreativität und Bewegung stehen nun dank der Unterstützung vieler Spender und Spenderinnen kurz vor ihrer Vollendung. Im Werkraum ist eine Werkbank aufgestellt, kindgerechtes Werkzeug und Material haben bereits in Kinderhand ihre ersten Einsätze erlebt. Unser zukünftiger Bewegungsraum nebenan für Toben, Hüpfen, Springen, Balancieren etc. steht kurz vor seiner Fertigstellung – hier werden auch WenDo-Kurse als Übungsangebot zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen durchgeführt werden können. Ein letzter kleiner Spendenschub könnte uns noch helfen, im Außenbereich ein Gartenhaus aufstellen zu können - um die Dinge, die nun in den umgenutzten Kellerräumen keinen Platz mehr finden, wie Rasenmäher, Bobby-Cars, Sandspielzeug etc., gartennah unterbringen zu können. Vielleicht kennt ja auch jemand unter unseren Lesern und Leserinnen Unternehmen, Firmen, Baumärkte sowie deren Entscheidungsbefugte und könnte uns sowohl ein gespendetes Gartenhaus wie auch die zugehörige „Arbeitskraft-für-Aufbau-Spende“ vermitteln? Wenn Sie diese Idee interessant finden, dann sprechen Sie uns einfach an – unter Tel. 02303/77891-0 oder geschaeftsstelle@frauenforum-unna.de freuen wir uns über jede Rückmeldung.

Wir verstehen uns mit unserer Arbeit unter dem Dach eines gemeinnützigen Vereins nicht nur als armer Träger sozialer Aufgaben, sondern auch als soziales Unternehmen mit der Verpflichtung zu wirtschaftlichem Denken, schonendem Umgang mit Ressourcen und bestmöglichem Einsatz all’ unserer Möglichkeiten. Daher haben wir gerne den Hinweis der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet mit ihrem Standort in Unna aufgegriffen und eine mit Landes- und EU-Mitteln finanzierte Potentialberatung beantragt. Unter Beteiligung aller Mitarbeiterinnen und auch des Vorstands wurden wir als kleines Unternehmen in einer ersten Phase hinsichtlich unserer Stärken und Schwächen analysiert. Wir haben Problem- und Aufgabenstellungen festgelegt, Lösungen und Handlungswege gefunden und sind so im Arbeits- und persönlichen Miteinander ein ganzes Stück voran gekommen. Wir erleben, dass das Zusammenführen aller unserer Angebote an einem gemeinsamen Standort nun schon im dritten Jahr eine große Herausforderung an alle darstellt. Die dazu notwendige Motivation und Bereitschaft auch zur persönlichen Veränderung, mit dem Verlassen gewohnter Pfade und dem Mut für Neues,  auch für ein neues Miteinander, zeigen Mitarbeiterinnen dankenswerterweise in einem außergewöhnlichen Maß! Da wir mit Stolz auf den Erfolg unserer Arbeit mit der Potentialberaterin sehen können, haben wir uns für die Beantragung einer Phase II entschieden und die inhaltliche Arbeit dazu bereits aufgenommen.

Frauen und ihre Kinder sowie Mädchen, die das Frauenforum mit seinen Angeboten anrufen, aufsuchen, hier Schutz suchen, sich beraten und begleiten lassen, (wieder) lernen eigene Entscheidungen zu fällen und die Verantwortung für ihr Leben selbstbestimmt zu übernehmen – sie alle wenden sich bei Tag und Nacht an uns. Mehr als 55% der Meldungen erreichen uns außerhalb der Dienstzeit, jede 4. Frau wendet sich am Wochenende an uns. Wir stellen deshalb eine Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft sicher – ein durchaus nicht selbstverständliches Engagement unserer Mitarbeiterinnen, die von allen solidarisch getragen wird. Eingehende Anrufe kommen auf einem Dienst-Handy an, auch das Frauenkrisentelefon wird über Wochenenden und Feiertage für eine persönliche Erreichbarkeit zugeschaltet, Aufnahmen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.     

Als kleines Dankeschön an uns, wie auch an alle Ehemaligen und Elternurlaubenden, hat uns der Verein mit dem Vorstand im Januar zu einem Jahresanfang in die „Essbar“ in Unna eingeladen. Wir haben einen netten und leckeren Abend miteinander verbracht, die Geräuschkulisse sprach für viele gute Gespräche. Der gerade gemeinsam erlebte Betriebsausflug gab uns Gelegenheit, Gesprächsfäden wieder aufzunehmen – wir haben uns im 25. Betriebsjahr erlaubt, einen ganzen Tag lang nur per Anrufbeantworter erreichbar zu sein und erst mit der Rufbereitschaft wieder persönlich zu übernehmen!

Die Sportlicheren unter uns haben das Frauenforum auch in diesem Mai wieder beim AOK-Firmenlauf in Unna mit vertreten. Gerne haben wir uns erinnert, dass wir im vergangenen Jahr zu den Organisationen gehörten, die eine Spende im Grunde ja von allen Läufern und Läuferinnen – auch eingesetzt zur Ausstattung unserer Werk- und Bewegungsräume - erhalten hatten. Wir freuen uns, dass mit dem Laufen über den Rahmen der eigenen Gesundheit hinaus nun jedes Jahr etwas anderes Gutes gefördert werden kann, daran wollen wir uns gerne weiterhin beteiligen.

Auch in den Organen des Vereins als unserer gemeinnützigen Trägerorganisation hat sich Manches verändert. Bereits in der Mitgliederversammlung 2010 mussten wir nach langen Jahren der engagierten Mitarbeit im Vorstand von Lisa Wetter Abschied nehmen – ihr folgte Tanja Brückel, bekannt vom Verein Familienbande e.V. in Kamen. Christel Stockhecke und Birgit Kollmann wurden für eine weitere Vorstandsperiode wiedergewählt. Auch im Beirat war eine Position neu zu besetzen – Manuela Werbinsky als frauenpolitische Sprecherin einer Kreistagsfraktion rückte für Christina Zubrytzki nach, die bereits vor einiger Zeit berufsbedingt verzogen war. In der Mitgliederversammlung 2011 haben wir gerade Violetta Kroll-Baues mit großem Bedauern verabschiedet und ihr für ihr über neun Jahre dauerndes Engagement gedankt. Wir freuen uns, in Anke Jauer aus Kamen eine aktive Nachfolgerin gefunden zu haben.

Schon fast traditionell unterstützen wir seit einigen Jahren den Bücherbasar des Lions-Club Unna Via Regis, der am 03. und 04. September in der Bürgerhalle des Unnaer Rathauses stattfinden wird. Wir haben wieder fleißig bei unseren Mitarbeiterinnen sowie ihren Bekannten und Verwandten schon lange nicht mehr Gelesenes eingesammelt und an die Lions-Engagierten weitergeben. Unsere Kinder und Jugendlichen werden bald mit Materialien, die aus dem Verkaufserlös beschafft werden können, im neuen Bewegungsraum hüpfen, toben, springen und balancieren können – wir freuen uns darauf. Erste Bücherspenden für das kommende Jahr sind auch schon wieder angekommen – sie können jetzt von Frauen und Kindern ein Jahr lang ausgeliehen und gelesen werden, danach reichen wir sie weiter für den Basar 2012.

In unserem letzten Sommerbrief hatten wir Ihnen und uns versprochen, unsere Faltblätter zu überarbeiten und neu aufzulegen – seit einigen Tagen ist nun alles druckfrisch bei uns vorhanden, endlich auch über das neue Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens. Aktuell verschicken und verteilen wir die Faltblätter an unsere Kooperationspartner sowie Amtsgerichte mit den uns das eine oder andere Mal Bußgelder zuweisenden Richtern und Richterinnen – eine unverzichtbare Unterstützung unseres Rechtsstaats bei Verurteilungen  für kriminelles Handeln, von dem häufig auch unsere Frauen und ihre Kinder betroffen sind. Sollten Sie als unsere Leser und Leserinnen Bedarf an unseren Faltblättern haben, dann rufen Sie uns einfach unter 02303/77891-0 an oder mailen Sie an verwaltung@frauenforum-unna.de.    

Sicher haben Sie bereits seit Herbst 2010 sowohl die Kreis- wie auch Landespolitik mitverfolgt. In beiden Bereichen ging und geht es um realistische Drohszenarien nicht genehmigungsfähiger Haushalte und um freiwillige Leistungen – zu denen leider auch immer noch unsere Arbeit zählt, da das Recht auf ein gewaltfreies Leben nach wie vor nicht im Grundgesetz verankert ist. Es bedurfte vieler Gespräche auf Kreisebene, bis wir eine entsprechende Mehrheit im Kreistag überzeugt hatten davon, dass in unserer Frauen- und Mädchenberatungsstelle mit der Fachstelle zu sexualisierter Gewalt keine Fachkraftstelle gekürzt werden darf. Nun gilt es, den seit 2005 festgelegten Grund-Kreiszuschuss für die Beratungs- und Geschäftsstelle in ungekürzter Höhe auf der Basis eines neuen Leistungsvertrags für die kommenden Jahre bis Mitte 2015 zu sichern. Ein über einen so langen Zeitraum unveränderter Zuschuss ist eigentlich auch unseren Mitarbeiterinnen nur schwer vermittelbar. Da finanzielle Entlastung dann nur an anderer Stelle erwartet werden kann, vertrauen wir auf die Beschlüsse der Landesregierung, die ebenfalls seit langen Jahren unveränderten Förderungen in der Höhe anzupassen – erstmalig sollen auch Sachkosten bezuschusst werden. Ganz besonders gefreut haben wir uns über die Wiederaufnahme der Förderung einer 4. Fachkraftstelle im Frauenhaus. Langfristig  gesehen mit Blick auf unsichere Landtagsmehrheiten planen wir jedoch damit sehr vorsichtig und konnten zusätzliche Wochenstunden-Budgets bisher nur befristet vergeben.

Auf ein Ereignis wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen freuen und wir werden Sie dazu einladen. Das Frauenforum wurde im Oktober 1986 als gemeinnütziger Verein gegründet mit dem Ziel, auch im Kreis Unna den Betrieb eines Frauenhauses aufzunehmen. Das 25-jährige Jubiläum soll Anlass sein, mit Ihnen zu feiern und uns dabei mit neuen Ideen und Konzepten der Arbeit für Schutz und Beratung von Frauen, ihren Kindern und Mädchen zu befassen. Wir werden dazu auf Sie zukommen, damit Sie einen derzeit noch zu findenden Termin ganz sicher in Ihren Kalendern verankern!

Wie auch schon in unserem letzten Brief gesagt, lade ich Sie herzlich ein - wenn Sie Interesse und Lust haben, sich in Ihrer vielleicht noch nicht verplanten Zeit dieses Sommers näher mit uns und unseren Aufgaben zu beschäftigen – bei uns vorbeizuschauen. Kaffee ist immer da, Zeit für Austausch und das Beantworten Ihrer Fragen nehmen wir uns, gerne nehmen wir Ihre Ideen der Unterstützung und des Spendeneinwerbens auf. Sollten Sie Interesse haben, uns und unsere Aufgabenfelder z.B. bei Veranstaltungen Ihrerseits in Ihren Zusammenhängen, Netzwerken und Gremien vorzustellen - rufen Sie bitte einfach unter 02303 / 77891-0 an, wir sprechen gerne einen Termin mit Ihnen ab.

Wir wünschen Ihnen allen nun einen schönen Restsommer mit mehr Sonne und Wärme als bisher sowie ganz viel Erholung in Ihrem Urlaub.

Mit herzlichen Grüßen auch von Vorstand und Mitarbeiterinnen
verbleibe ich Ihre

Birgit Unger
Geschäftsführerin

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