Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

26.05.2017 Stadtspiegel Unna

Erster Schritt aus der Not: Wohnhilfen des Frauenforums im Kreis Unna

Helfen Frauen in schwieriger Lebenslage mit einem ganzheitlichen Konzept: (v.l.) Anja Wolsza, Sieglinde Youett, Martina Ricks-Osei sowie Susanne Wöstenberg. Foto: Stengl

Erster Schritt aus der Not

Wenn das Leben entgleist, finden Frauen in den Wohnhilfen des Frauenforums neuen Mut

Der Verlust von Wohnraum ist eine ganz existenzielle Bedrohung. Der Weg dort wieder hinaus ist selten ohne Hilfe zu schaffen. Betroffene Frauen haben vielfältige Beschädigungen an Körper und Seele erlitten. Das entkräftet, manchmal bis zur Selbstaufgabe.

Unna. Um die verlorenen Kräfte zu mobilisieren und das eigene Leben schrittweise wieder in die eigenen Hände zu nehmen, gibt es die Unterstützung der Wohnhilfen FrauenRäume. Hat in 2016 die Auslastung der Übernachtungsstelle im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent zugenommen, so zeichnet sich in 2017 eine weitere Steigerung ab. Zu befürchten ist, dass mehr Frauen im Bedarfsfall keine Unterkunft angeboten werden kann.

Mit seinem Jahresbericht 2016 hat das Frauenforum die formale Bezeichnung „Frauenwohnungslosenhilfe“ abgelöst und stattdessen den Begriff „Wohnhilfen FrauenRäume“ etabliert, um somit mehr hilfsbedürftige Frauen erreichen zu können. „Frauen ohne eigenen Mietvertrag oder solche, die mit ihrer Wohnsituation Schwierigkeiten haben, in Mietschulden geraten sind, etc., fühlen sich von einem Angebot einer Wohnungslosenhilfe meistens nicht gemeint, weil sie doch (noch) gar nicht wohnungslos sind“, erläutert Anja Wolsza, Leiterin des Fachbereichs. „Der Begriff ‚Wohnhilfen‘ liefert ein größeres Allgemeinverständnis dessen, was hier im Frauenforum angeboten wird. Der Begriff ‚FrauenRäume‘ stellt klar, dass dieses Angebot nicht für Männer gemacht ist.“

Die Wohnhilfen des Frauenforums gliedern sich in verschiedene Bereiche mit dem Ziel, Frauen in einer besonders schwierigen Lebenslage ein ganzheitliches Hilfekonzept erstellen zu können. Die Übernachtungsstelle bietet akut obdachlos gewordenen Frauen ein Quartier in einem der sechs Zimmer mit insgesamt sieben Betten.

„Im Unterschied zu den Unterkünften für Männer müssen die Frauen die Übernachtungsstelle tagsüber nicht verlassen. Sie bekommen einen eigenen Hausschlüssel und können sich im eigenen Zimmer oder im Gemeinschaftsraum aufhalten,“ beschreibt Sozialarbeiterin Martina Ricks-Osei die Einrichtung. „Da die Frauen hier gemeldet werden, erhalten sie auch ihre Post regelmäßig und ich kann sie bei der Regelung ihrer Angelegenheiten unterstützen. Die meisten Frauen verfolgen bald das Ziel, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern und ihre Lebenssituation wieder in den Griff zu bekommen.“

Auslastung der Übernachtungsstelle

Auch in 2016 ist der Anteil der Frauen im Alter bis 21 Jahren mit 30 Prozent sehr hoch geblieben. Mehr als die Hälfte hat mit maximal einem Hauptschulabschluss nur schlechte Perspektiven für den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt. Besondere Belastungen ergeben sich für die meisten Frauen durch Gewalterfahrungen und psychische Erkrankungen.

„Unsere Bewohnerinnen haben alle einen höheren Bedarf an Begleitung und Betreuung auch im Alltagsleben, müssen das Alleine- Leben oft erst in kleinen Schritten lernen und üben,“ so Anja Wolsza. „Daher freuen wir uns sehr, dass es gelungen ist ab diesem Jahr - im Rahmen unserer vertraglichen Förderung durch den Kreis Unna - die langfristige Finanzierung einer zweiten Kraft für Sozialbetreuung und Hauswirtschaft abzusichern.“ Diese Aufgaben übernimmt Sieglinde Youett.

Sozialpädagogin Susanne Wöstenberg ist im Projekt „Lotse“ als Streetworkerin im Nordkreis des Kreises Unna im Einsatz: „Verschiedentlich fehlt es an Unterbringungsmöglichkeiten. Zum einen ist bei akutem Bedarf in unserer Übernachtungsstelle häufig kein Bett frei. Zum anderen können Frauen von der ‚Platte‘, die nur einen einfachen Schlafplatz brauchen und oftmals auch noch mit einer Suchterkrankung zu kämpfen haben, in dem trockenen und cleanen Angebot der Frauenunterkunft keine Aufnahme finden.“

Intensiv-Angebot verlangt Mitarbeit

Im Kooperationsprojekt „Lotse“ mit Caritas und Diakonie, einem mit europäischen Mitteln geförderten Projekt, arbeiten zwei Fachkräfte für die Zielgruppe Frauen im Frauenforum (Näheres unter www.lotsekreisunna. de). „Frauen ohne Unterkunft sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, ihre Notlage in der Gesellschaft, vor Behörden und oft auch gegenüber den eigenen Verwandten zu verbergen,“ berichtet Susanne Wöstenberg. „Sie versuchen abwechselnd bei Freunden unterzukommen und lassen sich auf Beziehungen ein, die sich für sie nicht als bedingungslos darstellen. Ich bewege mich mit meiner Kollegin in vielen Netzwerken, um andere in sozialen Bereichen und in Behörden Tätige für solche Frauen zu sensibilisieren und mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Wenn der einmal hergestellt ist, kann ich mich für die Betroffene einsetzen und ihr so zu den geeigneten Unterstützungsangeboten verhelfen, die sie aktuell braucht, um wieder „auf die Beine“ zu kommen.“ Es muss jedoch nicht zwingend bereits Wohnungslosigkeit bestehen. „Die teilstationäre Wohnhilfe unterstützt Frauen mit sogenannten besonderen sozialen Schwierigkeiten, denen sie sich alleine (im Moment) nicht mehr gewachsen fühlen,“ erläutert Anja Wolsza. Dieses Intensiv-Angebot verlangt viel Mitarbeit und (Wieder)Übernahme von Verantwortung.

Bis zu zwei Jahre haben die Frauen Zeit, sich in diesem Rahmen wieder zu stabilisieren. Wenn das bis dahin noch nicht gelungen ist, haben sie die Möglichkeit einer ambulanten Unterstützung.


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