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17.07.2011 Westfälische Rundschau
Neues Bildungspaket ist ein abschreckendes Bürokratiemonster
Marcus Esser
Unna. „Die Aussage aus der Bundespolitik, dass das neu geschaffene Bildungs- und Teilhabepaket auf wenig Interesse bei einkommensschwachen Familien stößt, empfinden wir als Unverschämtheit“, sagt Birgit Unger.
Die Geschäftsführerin des Frauenforums für den Kreis Unna hält das Ziel, Arbeitslosengeld II-Bezieher über das Bildungspaket finanziell unterstützen zu wollen, prinzipiell „für eine gute Sache“. Nur die hohen bürokratischen Hürden seien viel zu kompliziert und „einfach nur grauenhaft“. Denn wer beispielsweise finanzielle Unterstützung erhalten möchte, um den Kindern Nachhilfe, Mittagsverpflegung, Musikunterricht. die Klassenfahrt oder den Besuch eines Sportvereines zu ermöglichen, „der muss für jeden Zuschuss einen umfangreichen Antrag ausfüllen und diesen zudem noch von der Schule oder dem Verein beglaubigen lassen.“
Besonders für die vielen Bedürftigen aus bildungsärmeren Schichten sei das Bildungspaket ein „Bürokratiemonster, das sie im Grunde weiter stigmatisiert und abschreckt". Im Kreis Unna sind so bislang nur 6458 Bildungspaket-Anträge eingegangen.
Mit einem zusätzlichen nur schwer für die Jobcenter zu bewältigenden Aufwand, „die für die 22 700 berechtigten Kinder und Jugendlichen im Kreis zuständig sind“, sagt Sozialtherapeutin Sabine Adam-Johnen. Wenn jede Mutter pro berechtigtem Kind nur drei der bis zu acht möglichen Antragsformulare ausfüllt, „dann kann man sich ja ausrechnen, was da an zu bearbeitendem Papier zusammen käme.“
Mit Kollegin Nicole Höing fordern die Forum-Verantwortlichen ein niederschwelligeres Angebot. „Beispielsweise, indem die jeweiligen Gelder über die Schulen oder Vereine beantragt werden können.“ Die Kritik am Bildungspaket will das Forum in einem Protestschreiben formulieren und an die Politik in Kreis, Land und Bund - inklusive Familienministerin Ursula von der Leyen - schicken.
